Im Spätsommer wechselt das Fell noch einmal richtig durch. Während draußen die Tage kürzer werden, tauschen viele Hunde ihr dünneres Sommerfell gegen eine dichtere Winterdecke ein – und plötzlich liegt mehr Haar auf dem Boden, im Auto und in der Bürste als dem Rest des Jahres. Das ist erstmal normal. Was du rund um die Fütterung tun kannst, damit das neue Fell gesund nachwächst und die Haut nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, fasse ich in diesem Beitrag zusammen.
Warum der Spätsommer-Fellwechsel kein „normales" Haaren ist
Hunde machen in der Regel zwei große Fellwechsel pro Jahr mit: im Frühjahr das Winterfell raus, im Spätsommer das Sommerfell raus. Ausgelöst wird der Wechsel vor allem über die Tageslichtlänge, weniger über die Temperatur. Steigen oder sinken die Lichtstunden, schaltet der Haarzyklus um – die alten Haare lösen sich, neue Follikel schieben ihre Anagenphase (Wachstumsphase) an.
Beim Hund laufen diese Phasen synchroner als bei vielen anderen Säugetieren, weshalb du im Spätsommer oft wochenlang deutlich mehr Haare findest als sonst. Der Energie- und Nährstoffbedarf steigt in dieser Zeit messbar an – nicht dramatisch, aber spürbar. Wer jetzt knapp versorgt, sieht die Folgen zuerst am Fell: stumpfer, trockener, schuppiger, im schlechteren Fall mit kleinen kahlen Stellen oder verstärktem Juckreiz.
Welche Nährstoffe jetzt wirklich zählen
Fell und Haut bestehen zu einem großen Teil aus Protein – genauer aus keratinreichen Strukturen, die auf eine kontinuierliche Versorgung mit schwefelhaltigen Aminosäuren, Spurenelementen und essentiellen Fettsäuren angewiesen sind. Vier Bausteine verdienen in der Spätsommer-Ration besondere Aufmerksamkeit:
Schwefelhaltige Aminosäuren: Methionin und Cystein
Methionin ist eine essentielle Aminosäure, Cystein kann der Hund selbst bilden – wenn genug Methionin vorhanden ist. Beide sind wichtige Bausteine für Keratin.
Wer Muskelfleisch, Innereien oder auch Eier füttert, ist in der Regel gut aufgestellt. Bei rein pflanzlichen Proteinquellen oder sehr einseitigen Rationen lohnt sich ein Blick auf die Methionin-Werte.
Zink
Zink ist als Bestandteil vieler Enzyme an Haut- und Wundheilung beteiligt. Die typischen Anzeichen eines Zinkdefizits beim Hund sind schlechte Wundheilung, Haut- und Fellprobleme, ein geschwächtes Immunsystem und Wachstumsstörungen. Zinkmängel sind in der Praxis selten, solange die Ration ausgewogen ist – in Zeiten des Fellwechsels, zur Unterstützung der Wundheilung oder bei einem geschwächten Immunsystem kann die Zinkzufuhr aber kurzzeitig erhöht werden.
Wichtig zu wissen: Phytinsäure aus Getreide und Hülsenfrüchten sowie hohe Calcium- und Phosphatmengen verringern die Zinkaufnahme. Bei stark getreidehaltiger Fütterung also genauer hinschauen. Zinklieferanten im Napf sind Muskelfleisch, Leber oder auch Bierhefe.
B-Vitamine, besonders Biotin
Biotin (früher Vitamin H) kann vom Hund teilweise im Dickdarm selbst produziert werden, der genaue Bedarf ist aber nicht abschließend geklärt. In der Nahrung liegt Biotin vorrangig an Protein gebunden vor. Bei Hautproblemen wie Schuppen oder Ekzemneigung kann Biotin neben Zink gegebenenfalls eine Verbesserung erzielen.
Eine zusätzliche Zufuhr kann während des Fellwechsels, aber auch allgemein bei Haut- und Fellproblemen sowie weichen Krallen in Frage kommen. Hier wären jedoch zunächst andere Ursachen auszuschließen. Wenn eine erhöhte Biotin-Zufuhr keine Besserung bringt, sollte die Fütterung als Gesamtes überprüft werden – Getreideanteil, Fettgehalt und Fettqualität, Omega-3-Fettsäuren, Zink.
Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA)
Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und beeinflussen den Haarzyklus über die Versorgung der Haarfollikel mit Nährstoffen. Wer seinem Hund also über den Spätsommer eine sichtbar bessere Fellqualität mitgeben will, kommt an EPA und DHA aus Fischöl kaum vorbei. Wichtig ist die Quelle: EPA und DHA stammen aus marinen Quellen (Lachsöl, Krillöl, Fischöl), alpha-Linolensäure aus Leinöl oder Chia kann der Hund nur in winzigen Mengen in EPA umwandeln – das reicht für den Fellwechsel nicht aus.
Eine Übersichtsarbeit zu den Effekten von Omega-3-Fettsäuren beim Hund zeigt, dass sich nach mehrwöchiger Supplementierung sowohl die Fellqualität als auch entzündliche Hautmarker verbessern können.
Wann der „normale" Fellwechsel aufhört, normal zu sein
Nicht jeder Haarausfall im Spätsommer ist ein reiner Saisonwechsel. Es gibt eine Reihe von Warnzeichen, bei denen ein Blick über den Fütterungsrand hinaus sinnvoll ist:
Kahle Stellen oder asymmetrischer Haarverlust: Wenn das Fell nicht gleichmäßig, sondern fleckig ausgeht, ist es meist kein normaler Fellwechsel, sondern Parasiten, Allergie oder eine Hormonstörung.
Starker Juckreiz, häufiges Kratzen oder Schütteln: Ein bisschen Jucken ist normal. Wenn der Hund sich permanent kratzt, sich wund scheuert oder ständig die Ohren schüttelt, gehört das tierärztlich abgeklärt.
Schuppen, fettiges oder stark riechendes Fell: Plötzliche Veränderungen im Hautbild können auf eine bakterielle oder Hefepilz-Besiedelung hinweisen, gerade bei geschwächter Barrierefunktion.
„Hot Spots" oder eitrige Stellen: Akute, feuchte Dermatitis, die innerhalb von Stunden entsteht – das ist ein Fall für den Tierarzt, nicht ein Fellwechsel-Thema.
Wenn keines dieser Zeichen auftritt und der Hund sich sonst wohl fühlt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es wirklich „nur" der Jahreszeitenwechsel ist und du mit einer guten Ration schon das Richtige tust.
5 praktische Tipps für den Spätsommer-Fellwechsel
Ration jetzt nicht drastisch kürzen: Auch wenn der Hund im Spätsommer manchmal weniger frisst – der Bedarf an Protein, Zink und Fettsäuren steigt eher, als dass er sinkt. Reduzieren nur, wenn Gewicht und Körperfett klar zu viel sind.
Bürsten statt Haare schlucken: Regelmäßiges, sanftes Bürsten (je nach Rasse täglich bis 2–3× pro Woche) entfernt lose Haare, bevor der Hund sie selbst abschluckt.
Omega 3 Öl kurweise erhöhen: Eine kurweise Erhöhung der EPA+DHA-Zufuhr ist im Spätsommer sinnvoll. Wie viel, hängt vom gewählten Öl ab — die Konzentration schwankt je nach Quelle (Lachsöl, Fischöl, Krillöl) erheblich. Bei Hunden mit Pankreatitis-Vorgeschichte oder Fischallergie vorher Rücksprache halten.
Bierhefe als tägliche Kleinigkeit: Ein klassischer Lieferant für B-Vitamine und Spurenelemente, gut verträglich, preiswert. Täglich ins Futter oder als Belohnung übers Training.
Gewicht und BCS im Blick behalten: Fellwechsel ist eine gute Gelegenheit, den Body Condition Score neu einzuschätzen. Rippen gut tastbar, Taille erkennbar, von oben eine leichte Sanduhrform – das sind die Marker, an denen du dich orientieren kannst.
Fazit: Der Fellwechsel ist eine gute Zeit, die Ration zu überprüfen
Der Spätsommer-Fellwechsel ist kein Grund zur Panik, aber ein sehr praktischer Anlass, die Versorgung kritisch anzuschauen. Wer seinem Hund in diesen Wochen bewusst hochwertiges Protein, Schwefel-Aminosäuren, Zink, B-Vitamine und vor allem EPA/DHA aus einer guten Quelle anbietet, unterstützt den Haarzyklus da, wo er tatsächlich Unterstützung braucht. Wer das nicht tut, sieht die Folgen selten sofort – aber spätestens beim nächsten Winterfell.
Du möchtest die Ration deines Hundes durch den Fellwechsel begleiten und bist unsicher, ob dein aktuelles Futter oder deine Ergänzungen wirklich passen? Ob BARF, eine Kochration oder eine fachgerecht ergänzte Reinfleischdose – ich schaue mir die aktuelle Versorgung an und passe sie an Alter, Gewicht, Rasse und Fellwechsel an. Schreib mir gerne per WhatsApp oder E-Mail.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Bei kahlen Stellen, starkem Juckreiz, plötzlichen Hautveränderungen oder wiederkehrenden Ohrenentzündungen wende dich bitte zeitnah an eine Tierarztpraxis.
Quellen und weiterführende Informationen
Barf-Gut-Akademie – Ute Wadehn: Skript „Allgemeine Ernährungslehre"
Barf-Gut-Akademie – Ute Wadehn: Skript „Allgemeine Ernährungslehre"
VCA Animal Hospitals: Nutrition and Your Dog's Skin and Haircoat
VCA Animal Hospitals: The Importance of Your Pet's Skin and Coat and the Role of Diet
VCA Animal Hospitals: Coat and Skin Appearance in the Healthy Dog
Vaughn, D.M. et al.: Responses of dogs to dietary omega-3 fatty acids – Journal of the American Veterinary Medical Association, 2007
Cornell Riney Canine Health Center: Choosing Food for Your Senior Dog (Hintergrund: BCS und Rationsüberprüfung)